Wie die Verlagsgruppe Random House in ihrer Pressemitteilung vom 08.06.2009 schrieb, hatte die Markteinführung des Sony Readers spürbare, positive Auswirkungen auf den Handel mit eBooks:
Die Verlagsgruppe Random House konnte in den ersten Wochen nach der Einführung des Sony Readers in Deutschland mehr E-Books verkaufen als in den vorangegangenen drei Jahren zusammen. „Wir freuen uns sehr über diesen gelungenen Start – und werden weiter daran arbeiten, unsere führende Position unter den Publikumsverlagen im E-Book- Markt auszubauen“, erklärt Frank Sambeth, Chief Operating Officer der Verlagsgruppe Random House.
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Insgesamt äußerte sich Random House insbesondere für die Zukunft positiv über das Potential des eBook-Marktes als “Erweiterung” des Buchmarkts. Eine erfrischend positive Meldung in einer Zeit, in der noch oftmals eine negative Einstellung zum eBook-Markt bei vielen Verlagen zu erkennen ist.
Insbesondere unter dem auch von boersenblatt.net, dem “Online Magazin für den deutschen Buchhandel”, gern genutzten Schlagwort “Internetpiraterie” wird derzeit viel über Chancen und Risiken von eBooks sowie um Urheberrecht und DRM-Systeme diskutiert. Leider stehen dabei oftmals tatsächlich weder die Bezüge der Autoren und Urheber noch die zahlungswilligen Kunden im Vordergrund. Anstelle über Verbesserungen an den derzeit noch sowohl in Quantität als auch in Qualität mangelhaften Angeboten zu sprechen, ließ sich bspw. auch Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, dazu hinreißen anlässlich der Eröffnung der Leipziger Buchmesse folgenden Kommentar in den Vordergrund zu stellen:
Wir werden in aller Schärfe gegen den illegalen Download, gegen den Diebstahl im Internet, vorgehen und die Gerichte mit Tausenden von Verfahren beschäftigen.
Matthias Ulmer, seines Zeichens Geschäftsführer des Verlages Eugen Ulmer sowie stellv. Vorsitzender des Verleger-Ausschuss im Börsenverein, ging wenig später in einer Debatte um das Urteil gegen The Pirate Bay sogar noch weiter:
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Vollkommen absurd ist die Argumentation, dass wir Verlage uns gefälligst nach den Wünschen unserer Kunden zu richten haben. Und wenn wir das nicht tun, dann ist es eben normal, dass wir beklaut werden.
Wir sind freie Unternehmer und entscheiden über unsere Investitionen wie wir wollen. Gerade im Verlagswesen wird in Dinge investiert, obwohl kein Hahn danach kräht. Autor und Verleger finden es aber wichtig, ganz egal ob das Ihren Kulturbegriff erfüllt oder eben nicht.
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(Im Volltext und Kontext nachzulesen bei boersenblatt.net: http://www.boersenblatt.net/317074/)
Das es jedoch nicht in jedem Fall die “bösen Internetpiraten” sind, die dafür sorgen, dass der eBook-Markt hierzulande noch nicht gleichermaßen wie in den USA in Gang gekommen ist sondern die Einstellung, Planung und Vorgehensweise der Anbieter bei der Entwicklung eines neuen Marktes eine entscheidente Rolle spielt, hatten zu diesem Zeitpunkt offenbar weder Herr Skipis noch Herr Ulmer erkannt.
Inzwischen scheint sich jedoch langsam auch beim Börsenverein des deutschen Buchhandels (welcher u.a. Gesellschafter von boersenblatt.net ist) Ernüchterung einzustellen. So sah sich bspw. auch der Arbeitskreis unabhängiger Sortimente im Börsenverein bezüglich der vollmundig angekündigten Volltext- und Verkaufsplattform libreka! vor Kurzem gezwungen einen offenen Brief an die Verlagsleitungen zu veröffentlichen. Darin wurden die “bitteren Tatsachen” aufgelistet und angeprangert:
Mit dem heutigen Datum stehen in libreka! genau 11.605 elektronische Bücher zum Verkauf zur Verfügung. Wenn man sich nun etwas näher anschaut, welche Titel dort erworben werden können, ergibt sich folgendes Bild:
Bereich Naturwissenschaften / Informatik / Technik: 6.318 Titel
Bereich Sozialwissenschaften: 3.504 Titel
Bereich Geisteswissenschaften: 1.160 Titel
Bereich Ratgeber: 275 Titel!
Bereich Belletristik: 185 Titel!
Bereich Reise: 3 Titel!
Bereich Div.: 160 Titel
Der offene Brief (in voller Länge hier nachzulesen) stellt somit defacto eine bittere Bankrotterklärung vor der Haltung vieler Verlage dar. Die desolate Lage von libreka! wurde bereits vorher u.a. in Spiegel Online Netzwelt unter dem vielsagenden Titel “Darum floppt das E-Book-Portal des Buchhandels” angeprangert.
Fazit: Leider scheint derzeit noch eine sehr kritisch zu betrachtende Haltung seitens der deutschen Verlagshäuser gegenüber dem eBook-Markt vorzuherrschen. Es werden vergleichsweise geringe Anstrengungen unternommen um den eBook-Markt ernsthaft auf die Kunden auzusrichten, führende Vertreter des deutschen Buchhandels machen jedoch bereits im Vorfeld die “bösen Internetpiraten” für die absehbaren, negativen Folgen verantwortlich. Von daher ist die Pressemeldung der Random House Verlagsgruppe ein positives Novum und es bleibt zu hoffen, dass andere Verlage im Sinne von Autoren und Kunden beginnen ihre Argumentation und Grundhaltung zu überdenken.