Sourceforge und das “Open” in Open Source

SourceForge.net hat heute im Nachhinein Stellungnahme zur Komplettsperrung von Benutzern mit IP-Adressen aus Syrien, Kuba, Iran, Nordkorea und Sudan, also aus den sogenannten “Schurkenstaaten” gemäß der Definition der US-Regierung, genommen.

Sourceforge bringt dabei zum Ausdruck, dass man diese Maßnahme zwar ablehnt sich jedoch US-Gesetzen nicht widersetzen konnte. Es erscheint absurd, dass Sourceforge sich dermaßen hinter den Deckmantel der US-Exportrestriktionen zurückzieht und einer nicht einzuschätzenden Zahl von Entwicklerkollegen im Open Source Sektor den Zugang zu Ihren eigenen Projekten, Projekten an denen sie beteiligt sind und darunter natürlich auch Projekten aus  Medizin, Lehre und Forschung pauschal verwehrt.

Ohnehin stellt sich die Frage inwieweit die Infrastruktur von Sourceforge, welche lediglich als Medium zur Speicherung der Open Source Projekte dient, den Exportbeschränkungen unterliegt. Es handelt sich bei den dort gehosteten Projekten schließlich nicht um Sourceforge-Produkte sondern um Projekte der Entwickler rund um den Globus.

Meines Erachtens hätte bereits eine Zugangsblockade zu von US-Bürgern betriebenen Projekten, welche den Exportbeschränkungen unterliegen, vollkommen ausgrereicht. Ich halte die Komplettsperrung anhand Herkunfts-IP-Adresse, welche ironischerweise angesichts der Technikaffinität der betroffenen Entwickler ohnehin keine wirksame Maßnahme sein kann, für eine volkommen überzogene Reaktion.

Man muss sich leider fragen inwieweit man sich bei in den USA betriebenen Plattformen noch des “Open” in Open Source sicher sein kann.

Ich habe meinen Sourceforge-Account heute nach über 9  Jahren Mitgliedschaft geschlossen und werde mich mit keinem Projekt mehr bei Sourceforge anmelden.

Bookmark and Share
3 Comments
Januar 27, 2010 in Abgründe, Development, Politik
Tagged , , ,

3 Responses

  1. Wenn das mit dem Account mal so einfach wäre. Ich bin dort unter anderem Entwickler in einem Projekt, das von nicht geringer Bedeutung ist, und es gibt keine brauchbare Alternative. Klar, BerliOS, aber so recht zuverlässig mag mir das nicht erscheinen.
    Aus allen anderen Projekten habe ich mich jetzt aber auch gelöscht und einen entsprechenden Kommentar in deren Blog hinterlassen. Ich lasse doch meine freie Software nicht zu einem Politikum der hirnkaputten Amerikaner machen.

  2. Mit meinen eigenen Projekten auf SF, von denen ohnehin nur eins mehr oder weniger aktiv ist, hatte ich da glücklicherweise keine Probleme. Neuere Projekte hatte ich ohne große Vorüberlegung auf einer anderen, themenspezifischen Plattform (https://dev.mobileread.com/trac/hub/) gestartet. SourceForge hat bei mir jetzt jedenfalls jeglichen Vertrauensstatus verloren. Der Vorgang lässt sich für mich einfach nicht mit der in weiten Teilen der Community vorhandenen Open Source Mentalität in Einklang bringen.

Leave a Reply

Using Gravatars in the comments - get your own and be recognized!

XHTML: These are some of the tags you can use: <a href=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>