Was ist Lobbyismus für Nerds? Das ist ein Begriff, den ich in Hanno’s Blog aufgeschnappt habe. Was Lobbyismus ist, dürfte m.E. hinreichend bekannt sein. Zu Nerds läßt sich auszugweise folgendes sagen:
Nerd [nɜːd] (engl. für Fachidiot, Langweiler, Sonderling, Streber, Schwachkopf, Außenseiter, Freak, Geek) steht meist abwertend für besonders in Computer oder andere Bereiche aus Wissenschaft und Technik vertiefte Individuen. Manchmal wird auch ein überdurchschnittlicher Intelligenzquotient (IQ) als begleitende Eigenschaft genannt. Aus diesen und weiteren Gründen übersetzte die Süddeutsche Zeitung den Begriff ein wenig provokant mit „Computer-Heini“.
[Quelle: Wikipedia]
Grundsätzlich geht es bei Lobbyismus für Nerds darum, dass wir IT-Fachleute aktuelle politische Themen zwar durchaus aktiv und kontrovers diskutieren und dies auch mehr oder weniger in einschlägigen Blogs und anderen Online-Medien sowie zum Teil sogar in Fachzeitschriften veröffentlichen, der Rest der Welt – also die “Nicht-Nerds” – davon aber nichts mitbekommen. Uns schert das aber meistens erstmal sehr wenig. Wenn dann aber “urplötzlich” die von uns kontrovers betrachteten Themen politische Gestalt annehmen, sind wir erstaunt und fragen: “Wieso denn das jetzt? Wir waren doch alle dagegen!”. Das Problem dabei ist, dass wir gern vergessen, dass wir eben nicht alle sind. Wir sind eine mehr oder weniger abgeschottete Gruppe von Fachidioten, die zwar Recht haben mögen, ihr Wissen aber nicht aktiv und verständlich an andere Gruppen weiterleiten.
Genau hier kommt jetzt Lobbyismus ins Spiel. Wenn ich Hanno Zulla, seines Zeichens bloggender Softwareentwickler, ehrenamtlicher Handelsrichter und Mitgründer von epublica, richtig verstehe, ist er der Auffassung (die ich in dieser Form uneigeschränkt teile), dass Lobbyismus – aufs Wesentliche reduziert – nichts anderes ist als:
Das konstante Erinnern an Interessen. Das Festsetzen guter Argumente. Die Aussaat von Zweifeln.
Wir – die “Nerds” – lassen also einen Weg außen vor, der seit Jahrhunderten in der Politik Bestand hat und von allerlei politischer Gruppierungen und Interessenvertretern aktiv und auch durchaus erfolgreich genutzt wird.
Warum betreiben wir keinen Lobbyismus?
Ja, warum eigentlich nicht? Ist das sooooo schwer? Was kann man eigentlich unternehmen um seine (unsere) Interessen möglicherweise wirksam bei den richtigen Adressaten zu vertreten?
Hanno geht auch diesen Schritt. Unter der Überschrift Die Saat des Zweifels säen: Lobbyismus-Howto für Nerds hat er eine Anleitung veröffentlicht, in der er eine m.E. einfache und praktikable Vorgehensweise für jeden von uns “Computerfreaks, Informatiker, IT-Fachleute, Blogger” veröffentlicht.
PS.:
Wie zum Beispiel auch unser BKA-Präsident Herr Ziercke versucht seine – und Herrn Innenminister Schäubles – Pläne bezüglich der “Online-Durchsuchung” (vgl. auch Wortsetzer: Bundestrojaner, Online-Durchsuchung, -Überwachung, Abhörwanze – ja was denn nun?) bei Politikern schmackhaft zu machen, zeigt Hanno auch gleich noch in dem sehr gut recherchierten Artikel Die Dramaturgie der BKA-Horrorshow: Ein Bericht. Meiner Meinung nach Herrn Zierckes Form des Lobbyismus. Prädikat “sehr lesenswert”.
Unsteter Gedankenfluss aus dem Leben eines Projektleiters, Entwicklers, Freizeitautors, eBook-Enthusiasten und last but not least sächsischen Asylschwaben.